CHARLEY

Ein kleiner Einblick in die kurze Zeit vor und während unser erster Hurricane vor der Tür
stand. An sich eine Sauerei, dass im ersten Jahr in dem wir hier sind, ein Hurricane in
diese Gegend kommt, wie er zuletzt vor 40 Jahren hier war.

Die Zeiten stimmen nicht immer genau, besonders was die Daten über die Hurricanes
betrifft, aber ich hatte was anderes zu tun.


Besonders erwähnt werden müssen aber wieder die Menschen hier.

Wir sind noch nicht mal ein Jahr hier, hatten aber schon von 3 Familien hier in der Nähe
das Angebot bei ihnen zu Übernachten (mit Higgie natürlich) um Charley abzuwettern.

Das hätte ich in Deutschland gern mal gesehen.




(Ach ja, währ oinen rächschreihfeler änt teggt, hat selba shult, mussu nich so kenau lehsen)

Thu. 8:30
Gitta ist wie immer früh aufgestanden und hat Fernsehen geguckt.
Wie es aussieht, stecken wir allmählich zwischen ZWEI Hurricanes, Bonnie von Westen
und Charley von Süden. Also weckt sie mich damit wir genug Zeit für die Vorbereitungen
haben.
Ich fang also schon mal so langsam an, das Erdgeschoss aufzuräumen.
(Sprich nach oben räumen, !!!)
und so sahs dann zum Schluss (wieder mal) im Esszimmer aus

houseprep12.jpg
Gitta geht einkaufen, Futter, Kekse, Schokoriegel, Wasser, Trockengerichte, Käse,
Würstchen, Gasflaschen für den Grill UND NATÜRLICH Higgiefutter, Eis um den
Kühlschrank bei Stromausfall länger kalt zu halten, ein Porta Potti plus Chemikalien, falls
die Wasserversorgung zusammenbricht oder abgestellt wird (passiert in evakuierten
Gebieten).

Lade für Notfälle unsere ganzen UW-Lampen (Immerhin davon haben wir wirklich genug)
und bringe Batterie, Feuerlöscher usw hoch
houseprep00.jpg
Thu. 10:00
Tom bringt sein Boot in seinen eigene kleinen Hafen.
Stau vor dem Boot-Slip, der der "Woodland Estate Home Owner Association" kurz
WEHA genannt, gehört.
In der sind wir auch Mitglied, damit man diese Slipstelle benutzen darf
Nachbarn bringen ihre Boote weg und räumen Gartenmöbel ins Haus.
Im Westen wirds Dunkel und unser Kanal ist fast ohne die gewohnten Boote
und das Wasser steht wieder mal relativ hoch
waterway02.jpg waterway03.jpg waterway04.jpg
Hurrican Bonnie beglückt uns mit seinen südöstlichen Ausläufern, Regen und Wind
waterway05.jpg waterway06.jpg
und ich hab draussen das Meiste fertig. So ordentlich wars lange nicht
houseclear01.jpg houseprep01.jpg
Thu. 12:00
Gitta kommt mit Einkäufen zurück und hat clevererweise an Plastikcontainer gedacht,
damit ich die kleineren Sachen aus dem Erdgeschoss nicht einzeln hochbringen muss.

Habe unser Boot mit mehreren Leinen und Ankern zum Ufer befestigt.
boat01.jpg
waterway01.jpg
Irgendwo wird gehämmert, wahrscheinlich Plywood auf die Fenster.


Thu. 13:00
350.000 Leute haben eine mandatory evacuation in Manatee und Hernando County.
Alles was flacher als 17 Fuss über MH (wir sind 14 (im 2 Stock !!!) In Citrus County soll
alles was westlich der US 19 ist (sind wir) seine Sachen packen und Freitag ab 7:00
räumen.

Boney macht Landfall weit oben. Dahinter kommt eine Front aus Nordwesten. Diese
könnte Charley dazu bewegen nicht bis zu uns in den Norden zu kommen. Könnte !!!.


Thu. 14:00
Hurrican Watch über ganz FLorida,
Tornado Warnings wegen der Reste von Bonnie.
Wasser steht knapp 50 cm unter der Kaimauer.
Das Fernsehen zeigt erste Nachrichten über Brückenschliessungen, Wegräumen von
Strassenpinökeln, Absperrungen usw., also alles was durch die Gegend fliegen kann, in
Tampa und Umgebung. Gegen Mitternacht sollen die Inseln geräumt sein.
Von Strom- und Wasserzufuhrsperrung ist auch die Rede.

Thu. 15:00
Gewitter und ein kurzer aber heftiger Schauer.
Das Boot hält, das Wasser steht allmählich auf 1 Fuss unter der Kaimauer.
Wetterbericht verkündet nun Tornadowatch bis 21:00, immer noch wegen Bonnie.
Alle Rettungsorganisationen sind auf vollen Touren und geben Warnungen, Aufrufe an
ihre Mitglieder usw. aus.

Thu. 16.30
Seh gerade,dass auch der andere Nachbar gegenüber sein Boot wegfährt,
weiss der was was ich nicht weiss ?
Auf einmal wieder Sonne und ich beschliesse das Boot doch noch rauszuholen.
Trotz 4 Wochen Stillstand springt der Motor schnell an. Also alle Leinen wieder los.
Anker ausm Sand, Kupplung ans Auto und Trailer angekoppelt
Während Gitta das Auto mit dem Trailer zum Slip fährt, fahr ich das Boot rum.
Nach einigen Anläufen inkl. Vollbad von mir UND Gitta und Hilfe unserer Nachbarin Karin
(aber das ist eine andere Geschichte) ist das Boot auf dem Trailer und wieder vorm
Haus.
boat02.jpg
Thu 18:00
Wir Essen bei Cody's
Überall fahren Autos mit Trailern rum, einige schon mit, andere noch ohne Boot.
Bedenklich finde ich, dass einige meiner Nachbarn ihre Boote aus dem Gebiet
wegbringen. Allerdings wüsste ich zur Zeit nicht mal genau wohin ich meines bringen
sollte.
Wir tanken das Auto voll. Hier oben gibts wohl noch keine Probleme, aber laut
Nachrichten sind in den südlichen Counties schon einige ohne Sprit. Einige Geschäfte
haben Sandsäcke vor den Türen. Auch ein Nachbar hat bereits abgefüllte Säcke
vor der Garage liegen. Im Radio und Fernsehen wird mitgeteilt, wo man diese bekommt.
Nur schaufeln muss man selbst. Allerdings machen Sandsäcke bei unserem Haus
nicht viel Sinn

Thu 19:30
Mein anderer Nachbar kommt um alles Lose um sein Haus wegzuräumen und ein paar
Sachen nach oben zu bringen. Da er nicht hier wohnt, biete ich an ein bischen
aufzupassen und ihn anzurufen wenn was los ist. Ach sagt er, ist ja nur Property ?

Thu 20:00
Bilder vom Evakuierungstrek im Fernsehen und auf einmal taucht auch Citrus County
auf: Alles westlich und 1 ½ Meilen östlich der US 19 und alles in Mobilehomes muss
morgen ab 7. AM räumen. Die anderen Counties räumen abhängig von der Meereshöhe.
Ausserdem wird bekannt gegeben das Schulen, Flughäfen, Behörden, Banken usw.
geschlossen werden.
Immer wieder natürlich Wetterberichte, Vorhersagen,
Strassenberichte usw. Alles was weiter südlich von uns liegt, evakuiert Richtung Osten,
also Orlando usw. Einige Leute sind bereits in den Sheltern aufgetaucht und es wird von
ersten vollen Hotels berichtet.

Thu 22:30
Auch unser Sheriff war jetzt im Fernsehen und warnt uns.
"Dies ist ein Killer, Wasser bis zu 4 Meter höher, wer überleben will, geht besser, also
alles westlich US 19 ab 7am evakuieren.!

Ich schlepp weiter Sachen hoch, baue noch am Mittwoch gekaufte Kunststoffregale
zusammen, um noch mehr Sachen in höhere Regionen packen zu können
Ausserdem habe ich noch vom Bau zig. Paletten. Nachdem die Bücherkartons im 1.
Stock sind, kann ich die jetzt stapeln und andere Dinge, z.b. den Rasenmäher und Holz
usw höher zu legen.
houseprep02.jpg houseprep04.jpg
Sicherheitshalber schalte ich auch die Poolpumpe aus. Wenn der erstmal voll
Dreckwasser ist, muss ich das ja nicht auch noch rumpumpen
Zwischendurch immer wieder Meldungen das Charley jetzt Stufe 3 hat. Damit verbunden
wäre Surge (also eine Wasserwelle) bis zu 14 Fuss.
Der "No-Name"- Sturm 1993 hatte nur 8 Fuss,
und da stand dass Wasser bei meinem Nachbarn links in Brusthöhe, und er
ist mit seinen Katzen in einer schwimmemden Kunststoffkiste in höhere Lagen
geschwommen und in einem Haus in der Nähe aufgenommen worden.

Sicherheitshalber ein Hotelzimmer für Freitag nacht in Live Oak gemietet. Das kennen
wir noch aus unseren Cave Kursen und es ist reichlich Platz in der Gegend für Higgie.
Lake City war schon ausgebucht und das ist immerhin lockere 2 Stunden nach Norden.

Fri. 1:00
Die ersten Tornado Warnungen wg. Charley werden angesagt.
Der hängt jetzt zwar bei Cuba ab, aber die drehenden Stürme um ihn rum begünstigen die
Entstehung von Tornodas.

Aus den Diskussionen im Fernsehen lerne ich, dass es von entscheidender Bedeutung
ist, ob Charley nördlich oder südlich von uns Landfall macht oder im Meer an uns vorbei
zieht. Das Letztere wär am übelsten. Hurricanes drehen gegen den Uhrzeigersinn. Zieht
er westlich an uns Richtung Norden vorbei oder direkt überweg, kriegen wir erst den
Sturm von rechts und das Wasser wird aus der Bucht rausgedrückt. Dann kommt der
Sturm von links und das Wasser kommt einmal mit Schwung zurück und hinter sich zieht
ein Hurricane einen Wassersurge her, der jetzt in die Bucht reindrückt. Rein rechnerisch
kann das bis 6-8 Meter Wasser heissen. Dann steht auch unser 1. Stock unter Wasser
und es bleibt nichts mehr heil. Dazu kommen natürlich noch die Sturmschäden. Das
heisst alles was den Ansturm von Rechts (Osten) bisher gehalten hat aber vielleicht
gelockert wurde, fliegt jetzt beim Sturm von links (Westen) weg.

Knallt er kurz über uns auf Land, ist es fast das Gleiche, zumindesten bekommen wir
dann reichlich Wasser. Nur wenn er weiter südlich auftrifft, bekommen wir nur seinen
"oberen" Teil ab, der das Wasser rausdrückt. Einziger Lichtblick zur Zeit: gegen Abend,
wenn er kommen soll, haben wir Niedrigwasser. Das kann ein paar Fuss bringen.

Fri. 2:56
Alles im Erdgeschoss entweder hochgeschleppt, inkl. Gittas Fitnessfahrrad und meinem
Totalgym, alle Teppiche und Fussmatten unten eingerollt, alles soweit hoch wie es eben
geht gelagert. Strom- und Anntennenkabel an der Decke befestigt. Mein GANZES
Werkeug aus den Schubladen in Kisten und nach oben gebracht.
Nun gehts oben weiter und ich fange an meine Projekte von den verschiedenen
Rechnern auf die neue 200 GB USB Platte zu sichern . (Extra für solche Fälle besorgt)

Farbeimer, Holz, Bretter usw nach oben

houseprep03.jpg

hier ist einmal VORHER - NACHHER !!!
houseprep06.jpg houseprep07.jpg
Ein "Fitnessstudio" hochschleppen macht echt fit !!

und natürlich muss das Poolgift, Chlor, PH-UP, PH-Down, Stabilizer usw hoch
houseprep08.jpg houseprep09.jpg
houseprep10.jpg houseprep11.jpg houseprep13.jpg

Das Ganze wird natürlich sorgfältig von meinem kleinen Hund überwacht
der strategisch günstig entweder genau auf der Mitte der Treppe
hgwatch02.jpg
oder zwischen Garagen- und Trepenhaustür Platz nimmt
hgwatch01.jpg
wenn er nicht gerade vor seiner Klimaanlage pennt
hgvacin07.jpg
Fri. 4:00
Fertig mit Sicherungen und ab ins Bett um noch ne Mütze Schlaf zu bekommen.
Dabei wird Gitta wach und übernimmt die Kontrolle über Wetterbericht usw und packt weiter.

Fri. 6:00
Charley wird grösser und ist immer noch auf dem Weg nach Nord-Nordwest.
Das heisst über uns rüber. Wir hoffen immer noch das er weiter nach Osten dreht.

Fri. 10:30
Da der Unsicherheitsfaktor dieser Vorhersagen 150 Meilen rechts oder links vom Track
liegt, sind wir immer noch genau drin.
Feuerwehrfahrzeuge fahren durch die Gegend mit Durchsagen die Häuser zu räumen.
Fange an Rechner runterzufahren. Laptops / Kameras etc gehen ins Auto.
Gitta hat schon heute morgen Kisten mit Futter, Klamotten, Reiseproviant usw für Higgins
und uns gepackt (Higgies Kiste ist natürlich genauso gross wie die von uns beiden?)
Dazu kommen jetzt noch die wichtigen Papiere und die Steuersachen der Firma.
(Die könnte man doch jetzt gut absaufen lassen)
packed01.jpg packed02.jpg packed03.jpg packed04.jpg
Fri. 10:16
Ich verfolge die Meldungen von NOAA im Internet und die Neueste ist nicht sehr
ermutigend:


LOCATION           A  B  C  D  E   LOCATION           A  B  C  D  E
29.8N  82.5W      35  4  X  X 39   NEW YORK CITY NY   X  X  X 10 10
33.0N  81.0W       X 20  6  X 26   MONTAUK POINT NY   X  X  X  8  8
38.0N  78.5W       X  X 11  5 16   PROVIDENCE RI      X  X  X  7  7
MUSN 216N 826W    12  X  X  X 12   NANTUCKET MA       X  X  X  6  6
MUHA 230N 824W    99  X  X  X 99   HYANNIS MA         X  X  X  6  6
MARATHON FL       52  X  X  X 52   BOSTON MA          X  X  X  7  7
MIAMI FL           9  X  X  X  9   PORTLAND ME        X  X  X  6  6
W PALM BEACH FL    7  1  X  X  8   BAR HARBOR ME      X  X  X  3  3
FT PIERCE FL      11  2  X  X 13   EASTPORT ME        X  X  X  2  2
COCOA BEACH FL    16  4  X  X 20   KEY WEST FL       91  X  X  X 91
DAYTONA BEACH FL  21  6  X  X 27   MARCO ISLAND FL   53  X  X  X 53
JACKSONVILLE FL   19 12  X  X 31   FT MYERS FL       50  X  X  X 50
SAVANNAH GA        2 23  2  X 27   VENICE FL         55  X  X  X 55
CHARLESTON SC      X 15  8  X 23   TAMPA FL          47  X  X  X 47
MYRTLE BEACH SC    X  5 13  X 18   CEDAR KEY FL      43  1  X  X 44
WILMINGTON NC      X  1 12  1 14   ST MARKS FL       30  4  X  X 34
MOREHEAD CITY NC   X  X  9  2 11   APALACHICOLA FL   25  3  X  X 28


Danach hat Cedar Key FL (knapp über uns) immer noch eine Wahrscheinlichkeit von
43%, das Charley dort aufschlägt. Und Apalachicola noch 25% und die sind sogar weiter
westlich. Ausserdem ist Charley mittlerweile ein Kategory 3 Hurricane.

Auch das Fernsehen ist nicht sehr ermutigend.
tvimpr01.jpg
Wir beschliessen zu flüchten.

Fri. 10:30
Hab ganz vergessen, dass ich Higgies Aircondition aus dem Fenster ausbauen muss,
damit die Shutter runtergehen.
hgvacin06.jpg
aus den Kunststoffkisten oben auspacken muss
Eine Schweinearbeit natürlich, besonders weil ich das Werkzeug wieder
von oben aus den Kunststoffkisten hohlen muss.
hgvacin05.jpg hgvacin04.jpg hgvacin03.jpg hgvacin02.jpg hgvacin01.jpg
aber zum Schluss ist auch die auf den (nun leeren) Werkzeugschrank
hochgewuchtet.
hgvac.jpg

Bevor wir abschliessen, schauen wir uns nochmal die Haustür an. Sie ist die Einzige die
nach innen aufgeht und wird hauptsächlich durch 2 kleine Stahlstifte gehalten.
Die halten keinen Hurricane.

entrydoor01.jpg entrydoor02.jpg
Also schnell nochmal zu Home Depot (Max Bahr) um "Two by Fours" zu kaufen .
(2 mal 4 Inch Holzbalken, der Standardbalken für alle amerikanischen Häuser.)
Vor Home Depot ein Angestellter der ein Schild hochhält: "Geschlossen wg. Charley".
Auch Sears in der Mall ist zu. Also sehen was noch zu Haus ist.
Siehe da, vom Bau übrig geblieben ein 2*20 cm Holzbrett.
Muss reichen. Also nochmal die Stichsäge und Akku-
schrauber raus, Bretter in Türbreite sägen und rechts und links mit dem Rahmen
verschrauben. Hoffentlich hält das. Muss natürlich später wieder gespachtel werden.
Wenn dann noch was zum Spachteln da ist.
Zurück blieben dann glücklicherweise nur ein paar Löcher.
entrydoor03.jpg entrydoor04.jpg
Fri 11:30
Wir schliessen die restlichen Shutter (angeblich bis Hurricane Cat 2,
Charley ist ein 3-4
houseclear02.jpg houseclear03.jpg
und sind on the road. Wir fahren noch kurz durch den Ort. Mehrer Geschäfte haben ihre Fenster
zugenagelt und . Kleinere Wohnmoble und Häuser versuchen durch DucTape
(Klebeband) von aussen etwas mehr Stabilität in ihre Scheiben zu bekommen.
Galgenhumor auf dem Webeschild der Bank: "Hit the Road Charley". Ansonsten relativ
ruhig. Mehrere Autos aus dem Süden mit Packstücken auf den Dachgepäckträgern und
einige Wohnwagen, aber kein grösserer Verkehr. Eher ruhig für Freitag morgen.
Irgendwann hören wir dass Charley bereits Stufe 4 hat und seine Geschwindigkeit auf 20
Meilen gestiegen ist. Das nennt man schon einen Killer Hurricane.
Humor haben einige trotzdem (oder freut sich die Bank schon ???)
hitroad.jpg
Fri 13:00
Ein gute Nachricht, zumindestens für uns. Im Radio, während wir an einer Tanke Kaffee
ziehen, hören wir dass Charley hat einen weiteren "Wobble" nach Osten gemacht.
Nun wird sein Landfall zwischen Fort Myers und Sarasota vorhergesagt.
Das ist einmal südlich von uns und dann auch noch relativ weit weg.
Wenn das garantiert wäre, könnten wir an sich umdrehen. Allerdings würde uns Law
Enforcement wahrscheinlich trotz unser Re-Entrant Papiere nicht wieder in das
evakuierte Gebiet lassen. Und wir haben eh schon über die halbe Strecke hinter uns.
Also besser safe than sorry und weiterfahren.


Fri 14:00
Wir besuchen Bill Rennacker in seinem "Tauchgeschäft" Sidemount
(www.sidemount.com). Er hat zwar geschlossen, kommt aber trotzdem aus seinem Haus
und wir klönen eine Weile. Sein Geschäft ist seit dem Unfall vor ca. 14 Tagen mit einer
explodierenden O2 Flasche immer noch beschädigt und er macht sich Sorgen wegen
des Wetters. Von ihm erfahren wir zum ersten Mal, dass bis um 11:00 heute morgen eine
Hurricane Sturmwarnung aktiv war. Mobilhomes wie seines oder das von unseren
Freunden John und Shelly sind an sich kein Problem für so einen Sturm.

Fri 14:30
Bei John und Shelly in Live Oak angekommen und auf Shelly's Rechner meine Webcam
angeguckt. Es schüttet wie aus Eimern, aber der Wasserpegel im Kanal sieht gut aus.
Shelly zeigt und Bilder von dem Unfall bei Bill. An sich ist die Kraft in so einer Flasche
durchaus mit einem Hurricane zu vergleichen. Zumindestens ähneln sich die Bilder.

Fri 16:00
Wir komme im Best Western in Live Oak an. Ich hatte angesagt, dass wir mit Hund bzw.
mit "pet" kommen und die 10$ extra sind wohl OK, obwohl Higgie ja auf dem Boden
schläft und nicht das zweite Bett belegt. Ausserdem benutzt er weder Klo noch
Handtücher. Bedenklich ist aber das kleine Schild auf dem Tresen, das etwas von 15 lbs
(15 Pound) also genau genommen 6.80388555 Kilogramm erzählt pro "pet" .
Wenn ich jetzt zugeben würde, dass Higgie 135 lbs als genau genommen 61.23496995
Kilogramm wiegt, müsste ich wohl endweder 100$ für ihn bezahlen oder sie schmeissen
uns raus. Also lassen wir es bei 15 lbs. Woher soll ich wissen wie schwer so ein, wenn
man ihn mit einem Auto vergleicht, an sich ja kleiner Hund ist.
Im Hotelzimmer erst mal wieder den Laptop angeschmissen und die Webcam kontrolliert.
Regen scheint vorbei zu sein und es ist nicht allzuviel Wasser im Rückhaltebecken.

Im Fernsehen sehen wir die ersten Bilder, aber es gibt noch nicht viel zu sehen.
Die Reporter sind zwar im Sturm, aber wahrscheinlich nicht gerade da wo es einschlägt.
Ausserdem wirds bald dunkel. Wir gehen in der uns gut bekannten "Brown Lantern" erst
mal was essen. Natürlich laufen die TVs und wir sehen die ersten Bilder aus Port
Charlotte und Umgebung.

Fri 23:00
Weitere Bilder im Fernsehen, aber wg. Dunkelheit nicht viel zu erkennen.

Sat 3:00
Um 3 Uhr Nachts schrecken wir hoch weil ein Alarm ähnlich unserer Rauchmelder ertönt.
Licht an aber ich seh nichts. Ich hab erstmal meinen Laptop in Verdacht (im Halbschlaf
natürlich) und dreh im brutal den Saft ab. 10 Minuten später das Gleiche. Ich hab die
Faxen dicke und montier (im Halbschlaf natürlich) den Rauchmelder von der Wand.
Da ich die Gleichen zu Haus hab ist das kein Problem. 20 Minuten später wieder ein
lautes Düdeldü. Diesmal entdeckt Gitta den Übeltäter. Besorgte Freunde aus
Deutschland schicken uns SMS, und dies neue Telefon erzeugt natürlich nicht das
Klingelgeräusch das wir kennen. Also Telefon tot machen, Rauchmelder wieder in die
Wand und nun: Higgie muss mal weil er auch wach ist. Netterweise geht Gitta.

Sat 7:00
Frühens aufstehen angesagt. Auf dem Hotelparkplatz stehen zwei ziemlich grosse Trailer
vor ihren Trucks mit Power Generatoren. Die Jungs gehören zu einer Firma, die diese
Stromerzeuger verleiht und kommen aus Texas. Sie wissen noch nicht genau wohin,
sind aber sicher dass sie gebraucht werden. Auch die Versicherungen sind schon auf
dem weg. Allstate (kenn ich aus Deutschland mit dem roten Telefon auf Rädern) hat
eigene Fahrzeuge die mit "Allstate Desaster Recovery Team" beschriftet sind.
generator.jpg
Sat 8:00
Auf der I75 Richtund Süden gehts flüssig, ist aber trotzdem ziemlich voll. Die erste
Kolone ist die National Guard. Hauptsächlich Soldaten und schwere Bergegeräte.
Dann folgen Kolonen von Trucks mit Kränen drauf. Diese Dinger mit denen ein Mann
sich hoch an die Stromleitungen fahren kann. Davon zählen wir ungefähr 40-50 Stück,
zum Teil aus New Orleans, Alabama usw. Anscheinend alles Stromerzeugerfirmen
(HEW), die ihren Kollegen zu Hilfe kommen. Auch eine Kolone die mit "The Tree
Specialists" beschriftet ist. Und auch ein Salvagen Army Desataster Response Team" ist
unterwegs, zusammen mit vielen Firmentrucks, hauptsächlich Firmen mit irgendeinem
Handwerk.
i75trucks01.jpg i75trucks02.jpg i75trucks03.jpg i75trucks04.jpg i75trucks05.jpg i75trucks06.jpg
Schon in Crystal River sind wir auf der Strasse auf einmal von Neuwagen umringt,
und der Parkplatz vor einer Kirche steht auch voll davon. Die Autohändler westlich der
US 19 hatten anscheinend ihre Fahrzeuge in Sicherheit gebracht und fahren sie jetzt
zurück. Wir zählen so ungefähr 200 davon.

Sat 11:00
Zu Haus, alles heil, relativ viel Wasser vom Regen überall. Wir packen aus.
Als erstes wird wieder die Klimaanlage für Higgie eingebaut.
Alle Rechner hochfahren und kontrollieren. Auto auspacken.

Sat 12:00
Wieder Tornado Warnungen, aber alle weit unten Fernsehberichte über die Counties im
Weg von Charley sind beeindruckend. Umgeworfene und verschoben Mobilheime in
Mengen. Lange LKW-Container liegen auf der Seite. In Punta Gorda, wo Charley wohl
Landfall gemacht hat, hat er kleiner Flugzeuge zerfetzt und das Fenster aus einem
Polizeiwagen rausgedrückt !!
Hier sind ein paar Bilder.
Punta Gorda hat es zuerst getroffen
tvimpr02.jpg

Dies ist die eine Seite des Hauses:
tvimpr03.jpg
und so siehts auf der anderen Seite aus:
tvimpr04.jpg tvimpr05.jpg
hier ist ein Auto auf einenHaufen Müll HOCHGEWORFEN worden
tvimpr06.jpg
Sat 15:00
Bericht Über mehre Tornados in der Folge von Charley, 2 Mio Menschen sind zeitweise
ohne Strom, ca. 500.000 sollen es noch bis zu 7 Tagen bleiben. Schulen sollen die
nächste 10 Tage geschlossen bleiben. Die Behörden richten Wasserverteilungen
(3mal täglich) und Notkantinen ein.
Bisher berichtet man von 15 Toten.

Sat 18:45
Die Armen weiter südlich finden keine Ruhe. Zur Zeit werden sie wieder aufgefordert
"Shelter" zu suchen. Anscheinend tobt ein Tornado nach dem Anderen dadurch. Und
dass, wo einige Leute gerade bemüht sind ein bischen aufzuräumen in den Trümmern
die ihnen geblieben sind.


Sat Abends
Der Wetterbericht meldet Tropical Storm Earl, der sich gerade auf den Weg in die Karibik
macht, und bisher ziemlich genau dem Pfad von Charley folgt.
Ich denke ich werde mit dem Runtertragen noch ne Weile warten. :-))

Der neue Gruss hier :??? "Stay Dry"





Dieses Fenster bitte wieder schliessen